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Vermessung der Volkswirtschaft – Zukunft Leben

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Apropos
Verteilung...

GESAMT-
VERMÖGEN

125 Billionen $

WELT-
BEVÖLKERUNG

7 Milliarden
Menschen

Auf die reichsten 10 % der Weltbevölkerung

entfallen etwa 85 % des weltweiten Vermögens.

Die reichsten 2 % der Weltbevölkerung

besitzen mehr als 51 % des weltweiten Vermögens.

1 % der Weltbevölkerung

hält etwa 40 % des weltweiten Vermögens.

Die 1125 Dollar-Milliardäre, die es weltweit gibt, halten zusammen ein Vermögen von ca. 4,4 Billionen Dollar.

Damit besitzen sie etwa vier mal so viel wie die untere Hälfte der Weltbevölkerung.

Quelle: wer-ist-reich.de
Bild: http://pixabay.com/de/industrie-sonnenaufgang-wolken-611668/
Bild: http://piqs.de/fotos/119558.html Foto: dancwart
Bild: http://piqs.de/fotos/150065.html Foto: David Shankbone

Vermessung der Volkswirtschaft

Bruttoinlandsprodukt

„Das Bruttoinlandsprodukt ist die Summe der Preise der in einer Volkswirtschaft produzierten Waren und Dienstleistungen. Es bildet daher lediglich rein materielle Aspekte des Wohlstands ab. Ökologische, soziale, bildungsrelevante oder kulturelle Aspekte, die zum gesellschaftlichen Wohlergehen und zur Lebensqualität beitragen, werden mit dem BIP hingegen nicht erfasst. Das führt beispielsweise dazu, dass eine Umweltkatastrophe aufgrund ihrer Folgekosten das Bruttoinlandsprodukt steigern kann, sicherlich aber nicht das Wohlergehen der Gesellschaft. Auch unbezahlte Arbeit, wie Hausarbeit oder ehrenamtliche Leistungen, werden bei der BIP-Messung ausgeklammert.“

 

Deutscher Bundestag, Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“, 2013

 

In vielen Ländern arbeiten Regierungskommissionen aktuell daran, volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen am konkreten Wohlergehen der Menschen auszurichten. Das ist nicht so einfach, weil dabei Leistungen beziffert werden müssen, die gar nicht mit Geld bezahlt werden.

 

Was kosten die Leistungen der Natur? Sie stellt uns Nahrung, Energie und Wasser zur Verfügung und erbringt zahlreiche „Dienstleistungen“: Bienen bestäuben unsere Nahrungspflanzen, lange Sandstrände bieten uns Erholung. Zudem kompensiert die Natur Emissionen und Abfälle aus unserem Wirtschaftskreislauf. Schäden durch Umweltverschmutzung, Artensterben und Naturkatastrophen, die als Folge des Klimawandels auftreten, müssten in diesen Gesamtrechnungen also negativ zu Buche schlagen, da sie enorme Kosten verursachen.

 

Stattdessen werden – um das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes zumindest „auf dem Papier“ zu erhalten – immer mehr Wirtschaftsleistungen erfasst, deren Nutzen für die Gesellschaft zweifelhaft sind: Schwarzarbeit oder Drogenhandel schlagen heute bei der Erfassung des Bruttoinlandsprodukts positiv zu Buche.

 

Die Fixierung auf ein steigendes Bruttoinlandsprodukt führt also nicht automatisch zu mehr Lebensqualität. Wie beziffert man gesunde, glückliche Menschen oder intakte Familien? Wenn alles „rund läuft“, kosten sie nichts. Kranke, unglückliche Menschen und zerbrechende Familien verursachen dagegen hohe Kosten für die Gemeinschaft.

 

„Das Bruttoinlandsprodukt misst alles, nur nicht das, was das Leben lebenswert macht.“

Robert Kennedy, 1968

 

Ökonomen gingen lange davon aus, dass Wirtschaftswachstum den Wohlstand von großen Teilen der Bevölkerung fördert. Jüngere Studien fanden jedoch heraus, dass dieser Zusammenhang nur gilt, wenn das erwirtschaftete Vermögen relativ gleich an alle Menschen verteilt wird. Der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller bezeichnet die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich in den Industriestaaten als das „größte ökonomische Problem des 21. Jahrhunderts“.

 

Wer also wirklich ermitteln will, wie gut es den Menschen in einem Land geht, sollte den Abstand zwischen den höchsten Einkommen und den niedrigsten Einkommen messen. Diese Zahl könnte das Bruttoinlandsprodukt als „Gradmesser“ für den Wohlstand einer Gesellschaft auf einfache Weise ersetzen.

Die gewaltige Schuldenmaschine, die in den letzten fünf Jahrhunderten einen wachsenden Teil der Weltbevölkerung auf das moralische Niveau von Konquistadoren herabgedrückt hat, dürfte an ihre sozialen und ökologischen Grenzen stoßen. Die eigentliche Frage lautet jetzt, wie wir die Maschine ein wenig drosseln und eine Gesellschaft schaffen können, in der die Menschen weniger arbeiten und mehr leben können.

David Graeber: Schulden. Die ersten 5.000 Jahre.

Kosten des Wachstums

Lebewesen wachsen dadurch, dass sie mit ihrer Nahrung Energie aufnehmen. Aber wodurch wächst die Wirtschaft? Der amerikanische Ökonom Robert Solow fand bereits 1956 heraus, dass Wirtschaftswachstum nur zu etwa 14% durch den Einsatz von Kapital und Arbeit angetrieben wird. Die restlichen 86% konnte er sich nicht erklären. Die wurden daraufhin pauschal dem „technischen Fortschritt“ zugeschlagen.

Erst jüngste Forschungen ergaben, dass der fehlende Faktor der Energie zuzuschreiben ist. Reiner Kümmel von der Universität Würzburg zum Beispiel stellte fest, dass der effiziente Einsatz von Energie die Produktivität enorm steigert. Wie in der Natur.

Energie in unseren heutigen Industriegesellschaften wird bislang vor allem aus fossilen Energieträgern gewonnen. Das bedeutet: Das Wirtschaftswachstum wird zu einem großen Teil mit Umweltverschmutzung, Emissionen und Klimawandel „erkauft“. Da die Unternehmen die Kosten für diese Nebenwirkungen nicht tragen müssen, sind gerade die Firmen am profitabelsten, die am meisten Energie verbrauchen. Um im Bild der Natur zu bleiben: Unsere Wirtschaft ist überdüngt, die Artenvielfalt klein.

Denn alle anderen Unternehmen haben einen Wettbewerbsnachteil. Würden die Umweltkosten des Energieverbrauchs tatsächlich in die Produkte einberechnet, profitierte davon die gesamte Wirtschaft. Die unternehmerische Artenvielfalt könnte zunehmen. Der britische Ökonom Paul Ekins hat europäische Länder verglichen und nachgewiesen, dass Ökosteuern nicht nur der Umwelt zu Gute kommen, sondern auch der Wirtschaft. Sie beseitigen einseitige Vorteile für energieintensive Unternehmen und steigern die Wettbewerbsfähigkeit aller anderen Marktteilnehmer.

Das Wirtschaftswachstum basierte also lange Zeit darauf, bestimmte Kosten aus der Gesamtrechnung einfach auszuklammern: Rohstoffe, für die die Natur keine Rechnung schreibt, werden maschinell zu Gütern umgewandelt und verkauft. Sie erhalten dadurch einen „berechenbaren“ Wert. Eigentlich ist es damit gar kein Wachstum, weil nichts nachwächst. Sondern Schwund: der Verbrauch von Bodenschätzen und Energie.

Seit den 1970er Jahren steigen die Energiepreise. Das „Wirtschaftswunder“ kam zum Stillstand. Die hohen Wachstumsraten der Nachkriegszeit stagnierten. Ohne Wachstum kein Wohlstand, hieß nun die Devise. Um das Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten, wurde es auf Pump weitergeführt. Die Folge: Schuldenberge von Privathaushalten, Firmen und Staaten. Das wiederum erhöhte den Zwang zu neuem Wachstum, um die Zinsen zu finanzieren. Ein Teufelskreis. 2008 platzte die Schuldenblase. Viele Verbraucher konnten ihre Kredite nicht zurückzahlen und verloren ihr Hab und Gut. Sie sind es, die nun das fiktive Wachstum bezahlen. Wachstum bleibt eine bloße Illusion.

Der amerikanische Anthropologe David Graeber hat die Geschichte der Schulden seit den Anfängen von Märkten vor 5000 Jahren aufgeschrieben. Sein Fazit: Ohne einen radikalen Schuldenerlass für Staaten und private Schuldner wird die Menschheit dem Teufelskreis des Wachstums nicht entkommen.

„Die gewaltige Schuldenmaschine“, so befindet Graeber, „hat in den letzten fünf Jahrhunderten einen wachsenden Teil der Weltbevölkerung auf das moralische Niveau von Konquistadoren herabgedrückt.“ Wie wäre es, wenn wir die Maschine ein wenig drosseln würden? Wir könnten eine Gesellschaft schaffen, in der die Menschen weniger arbeiten und mehr leben.

Allen muss die gleiche Chance gelassen werden. Geschieht dies, so hat jedes menschliche Wesen die Möglichkeit, geistig zu wachsen.

Mahatma Gandhi

Glaube und Leistung

Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow hat sich mit den Motiven menschlichen Handelns beschäftigt und festgestellt: Sie sind in allen Kulturen ähnlich. Jeder Mensch braucht Nahrung, er strebt nach Sicherheit, nach Zuwendung und Achtung. Bekommt er sie nicht, wird er aggressiv und neurotisch. Menschen, die ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten gemäß leben, sind laut Maslow deutlich stabiler und glücklicher.

Die Möglichkeiten, Sicherheit, Zuwendung und Achtung zu erhalten, sind in unserer Gesellschaft allerdings stark von der sozialen Herkunft abhängig.

Der Glaube bestimmt die Leistung. Mädchen rechnen schlechter als Jungen, wenn man ihnen sagt, dass Mädchen schlechter als Jungen rechnen. Afroamerikanische Studenten scheitern häufiger in Prüfungen, wenn man sie zuvor an ihre Herkunft erinnert. Kinder aus armen Familien brechen oft die Schule ab, weil ihr Umfeld meint, sie schaffen es sowieso nicht. Jeder Schulabbrecher kommt die Gesellschaft im Nachhinein teuer zu stehen. Jeder Euro dagegen, der in Chancengleichheit investiert wird, wirft später hohe Rendite ab.

Der Mensch ist als soziales Wesen angelegt: Erfolgreiche Kooperationen, gegenseitige Wertschätzung und freundschaftliche Bindungen werden vom Gehirn durch Ausschüttung von Glückshormonen belohnt. Ausgrenzung, Herabsetzung und Ablehnung dagegen aktivieren dieselben Areale des Gehirns, die auch für körperliche Schmerzen zuständig sind. Ächtung und Verbannung sind die schlimmsten Strafen für einen Menschen.

Gleichheit und Teilhabe

Die Briten Richard Wilkinson und Kate Picket haben zahlreiche internationale Studien verglichen und sind zu einem eindeutigen, überraschenden Ergebnis gekommen: In Gesellschaften mit geringen Einkommensunterschieden geht es allen besser – nicht nur jenen, die wenig verdienen, sondern auch den Wohlhabenden. Die Menschen sind gesünder, sie leben länger, sind zufriedener und friedlicher im Zusammenleben. Es gibt weniger Kriminalität, weniger Drogenkonsum, weniger Arbeitslosigkeit, weniger Schulabbrecher und weniger Gewalt. Sogar der Umwelt geht es besser: Ressourcen werden geschont, klimaschädliche Emissionen vermindert.

Wissenschaftler führen es darauf zurück, dass bei geringen Einkommensunterschieden der Konkurrenzdruck nachlässt. Menschen, die sich als gleich erachten, entwickeln mehr Mitgefühl füreinander. Sie vertrauen und helfen einander, anstatt sich abzugrenzen. Statuskämpfe erübrigen sich. Der Stress nimmt ab. Menschen in einer Gemeinschaft lernen voneinander. Bildung und soziales Engagement steigen.

 

 Foto: Die Demonstration „Occupy Wall Street“ am One Police Plaza gegen polizeiliche Brutalität vom 30.09.2011.

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